Kaffeetrinken mit schlechtem Gewissen?

Trojan-Room-Kaffeemaschine (von Wikipedia)

Trojan-Room-Kaffeemaschine (von Wikipedia)

Ich trinke gerne Kaffee, habe allerdings um die höhere Wissenschaft der Kaffeezubereitung – ob mit Vollautomaten oder Kapselautomaten – bisher einen Bogen gemacht und werfe jeden Morgen ganz altdeutsch meine Filterkaffeemaschine an. Auch darum habe ich den Artikel “Müll hat einen Namen: Nespresso” aus dem FUTTERblog mit großem Amüsement gelesen: 60 Euro für ein Kilo Kaffee! 13.000 KWh für die Kapselherstellung! Prust!

Doch halt: 13.000 KWh für die Kapselherstellung – da ist des Wattrechners energetischer Rechenehrgeiz geweckt. Wie viel Strom braucht eigentlich so eine Kaffeemaschine? Mehr oder weniger als für die Erzeugung des 1,1g Aluminium für die Kapsel aufgewendet werden muß?

Informationen dieser Art sucht man am besten in der Schweiz, in dem Land wo die Zelebrierung der höhere Wissenschaft der Kaffeezubereitung mit einem steten Streben nach Effizienz verbunden wird. Schauen wir also auf www.topten.ch. Dort steht im Testbericht, daß der beste Kapselautomat für das Brühen von 2190 Tassen Kaffee pro Jahr (sechs Tassen am Tag) 30 KWh Strom verbraucht.

Wofür wird diese Energie aufgewendet? Je nach Zubereitungsart (Espresso, Lungo usw.) wird aus einer Kapsel zwischen 20ml und 110ml Getränk gebraut. Sagen wir im Durchschnitt über die 2190 Brauvorgänge 50ml. Also müssen im Jahr 110 Liter Wasser auf Siedetemperatur erhitzt werden. Das braucht schon mal 11 KWh.  Der Rest wird für Pumpendruck, Warmhaltung und Stand-By verwendet.

2190 Kapseln sind 2,4kg Aluminium, 25% recycelt (1,3KWh/kg), 75% nicht recycelt (13KWh/kg). Macht 8,6 KWh für die Herstellung des Kapselaluminiums. Wenn in 2013 wirklich 75% recyceltes Alumium verwendet werden, reduziert sich der Wert auf 2,6 KWh.

Wie viel Strom verbraucht der beste Vollautomat (ohne Kapseln)? Laut www.topten.ch sind dies 42 KWh im Jahr, für 2190 Tassen. Hauptsächlich wegen einer längeren Default-Abschaltverzögerung (nach der kein vorgeheiztes Wasser mehr vorgehalten wird). Auch Kapselmaschinen mit einer entsprechend längeren Abschaltverzögerung liegen in diesem Bereich. Ineffiziente Geräte ganz ohne Abschaltautomatik verbrauchen gar 150 – 190 KWh im Jahr.

Fazit: Nespresso-Kapseln mögen teuer sein, die persönliche Energiebilanz verschlechtern sie aber kaum. Der Anteil der Aluminiumverpackung am Energieaufwand pro Tasse Kaffee liegt lediglich zwischen 10% und 25% (je nach Recyclinggrad). Der Unterschied beim Betriebs-Stromverbrauch zwischen effizienten und ineffizienten Kapselmaschinen ist deutlich größer. Von der alten Filtermaschine, deren Warmhalteplatte stundenlang angeschaltet bleibt, ganz zu schweigen…

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2 Responses to Kaffeetrinken mit schlechtem Gewissen?

  1. Thomas says:

    Ich möchte das recycelte Aluminium zum Anlass nehmen, eine andere Art der Bewertung von recycelten Materialien in die Diskussion zu bringen.
    Denn es ist doch egal, ob das Alu aus recycelten Material hergestellt wurde. Dieses würde ja sowieso verbraucht werden. Entscheident ist doch, ob die Kapseln selber später wieder recycelt werden.
    Salopp: Wenn 1 Tonne Recycel-Alu für Kapseln verwendet wird, kann diese Tonne nicht mehr für Aluminiumpapier verwendet werden und muss deshalb neu hergestellt werden.
    Wenn 1 Tonne Alu aus gebrauchten Kapseln recycelt wird, dann kann diese für Alupapier, neue Kapseln oder Motorblöcke verwendet werden. Dabei ist es egal, woher das Alu für die kapseln ursprünglich stammte.

  2. rolfk says:

    Hallo Thomas,

    danke für Deinen Kommentar! Wenn man 100% Recyclingquote für Aluminium annimmt und und jede Aluminiumkapsel als zusätzlichen Aluminiumbedarf rechnet, der die gesamte im Umlauf befindliche Aluminiummenge erhöht, dann hast Du recht. Und Aluminium ist nah an der 100% Quote: Laut http://www.feelgreen.de/aluminium-leichtes-metall-als-recycling-koenig/id_55013012/index sollen “75 Prozent sämtlichen Aluminiums, das seit Ende des 19. Jahrhunderts produziert wurde, heute noch immer im Einsatz” sein – interessant. – Rolf

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