Vierzehnfußballfeldgroße Supercharger Tankstellen

Tesla supercharger location in Tejon, Calif. - Quelle: Elon Musk Blog
Tesla supercharger location in Tejon, Calif. - Quelle: Elon Musk Blog

Einmal ein Auto kaufen, den Treibstoff gibt es später kostenlos. Dieses umgekehrte Druckertintenpatronenprinzip verspricht Tesla Motors allen Käufern einer Tesla Model S Elektrolimousine. Diese dürfen nämlich an allen Supercharger Stationen kostenlos neuen Strom tanken.

Auf dem Bild stehen zwei Model S unter einem etwa 100qm großen Solardach und tanken Strom – pro Fahrzeug 45 Kilowattstunden in einer halben Stunde. Für diesen Bedarf scheint das Solardach etwas klein dimensioniert, oder?

Rechnen wir nach: Wenn alle Fahrzeuge in Deutschland nur noch Strom tanken würden, wie groß müßte dann der an jeder Tankstelle angeschlossene Solarpark sein?

In Deutschland gibt es 15.000 Tankstellen, die jede im Durchschnitt pro Jahr drei Millionen Liter Benzin und Diesel verkaufen. Das entspricht 27 Millionen Kilowattstunden Energieinhalt.

Ein Elektromotor ist 3x effizienter als ein Verbrennungsmotor. Also würden Elektroautos statt 27 Millionen Kilowattstunden in Form von Benzin oder Diesel nur neun Millionen Kilowattstunden elektrische Energie tanken müssen.

Auf einem Quadratmeter Grundfläche erzeugt ein deutscher Solarpark etwa 90 Kilowattstunden im Jahr. Für neun Millionen Kilowattstunden wären also 100.000 Quadratmeter erforderlich – die Fläche von 14 Fußballfeldern oder zwei großen IKEA Märkten mit Parkplätzen drumherum.

Das klingt auf den ersten Blick viel – vor allem wenn man diese 14 Fußballfelder mit 15.000 Tankstellen multipliziert. Andererseits ist das Ergebnis – 1500 Quadratkilometer – nur das 5-fache der Fläche, die in Deutschland Jahr für Jahr als Flächenverbrauch für Häuser, Straßen, Wege, Plätze und Schienen hinzukommt.

Also: Auch wenn 100qm Solardach pro Tankstelle nicht reichen – es wäre theoretisch machbar, alle Tankstellen in Deutschland durch solarbefüllte Supercharger Stationen zu ersetzen.

Stromfresser Cloud Datenspeicher?

Greepeace twittert heute „Daten in der Cloud zu speichern verursacht 350 mal mehr CO2 als ein Heimserver“ und bezieht sich dabei auf einen heise.de Artikel, der eine Berechnung des Oekoinstituts zitiert.

350 mal mehr? Der gesunde Menschenverstand sagt: Das kann nicht sein. Der Wattrechner sagt: Das muß ich mal nachrechnen. Schließlich speichert er seine Daten sowohl auf einem kleinen (und sparsamen) EeePC-basierten Heimserver als auch als Offsite Backup in der Cloud.

Der Stromverbrauch des EeePC Heimservers ist bekannt: 18 Watt, was zu 813 Gramm CO2 im Jahr für die in der Studie angesetzte Datenmenge von 4,7 GByte (eine DVD) führt.

Wie hoch aber ist der Stromverbrauch eines Cloudservers?

Typischerweise werden dort x86-basierte Server mit möglichst viel Plattenplatz eingesetzt. Stand der Technik sind Systeme mit zwölf 3TB Platten wie diese hier (ohne Hintergedanken aus dem Produktkatalog meines Arbeitgebers ausgesucht). Dieses System braucht 226 Watt. Dazu – weil die vielen dicht gepackten Server im Rechenzentrum anders als der Homeserver zu Hause gekühlt werden müssen – ein sogenannter „PUE-Faktor“. Außerdem habe ich noch weitere 30% Stromverbrauch für Infrastruktur wie Netzwerk, Webserver usw. des Cloudanbieters eingerechnet.

Ergebnis: 553 Gramm – 100x weniger als die Studie des Oeko-Instituts postuliert.

Hier die Berechnung im Detail:

Ein sparsamer Homeserver im 24×7 Dauerbetrieb unterscheidet sich also beim „Stromverbrauch pro Gigabyte“ nicht von Cloudanbietern. Am spezifischen Stromverbrauch gemessen ist keins der beiden Verfahren effizienter als das andere.

Die Effizienz läßt sich – wieder einmal – nur durch den Verzicht auf Bequemlichkeit steigern: Den Homeserver nur dann laufen lassen, wenn man ihn gerade auch für’s Backup braucht, oder gar keinen Homeserver zu betreiben, sondern externe 2,5″ USB Platten nur bei Bedarf zu betreiben.