Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Berlin ist immer eine Reise wert, auch wenn es eine Dienstreise und kein Besuch des Fußball-Pokalendspiels ist. Dieses Mal bin ich mit dem ICE von München hin- und zwei Tage später mit dem City-Night-Line im Schlafwagen wieder zurückgefahren.

Eine subjektiv sehr angenehme Methode (vor allem die Rückfahrt) – aber war das auch die energieeffizienteste Art und Weise, nach Berlin zu kommen?

Der Umweltmobilcheck der Bahn gibt eine eindeutige Antwort: Die Bahn verbraucht auf der Strecke München-Berlin etwa 3,5x weniger Primärenergie (also inklusive der Verluste bei der Strom- bzw. Kraftstoffherstellung) als Auto oder Flugzeug.

Kann das stimmen? Schauen wir nach wie die Bahn rechnet:

  • Erstens rechnet sie mit einem Dieselverbrauch von 5,5 Liter/100km Autobahn. Da könnte ich also für mein Auto 20% abziehen. Bleibt immer noch Faktor 3
  • Zweitens rechnet sie beim ICE mit einer Auslastung von fast 50%. Das ist gewagt, wie die FAZ hier vorrechnet. Gefühlt war die Auslastung meines Zuges auch bei höchstens 25%. Also nur noch Faktor 1.5
  • Zufahrtsumwege (wie bei der FAZ angesprochen) hatte ich nicht. 10 Minuten U-Bahn zum Bahnhof in München, 5 Minuten zu Fuß zum Hotel in Berlin. Es bleibt also bei Faktor 1.5
  • Fazit für die Hinfahrt mit dem ICE: Energieeffizienztechnisch gegenüber dem Auto (oder dem Flugzeug) kein großer Vorteil. Allerdings hat der ICE größere Vorteile auf einem ganz anderen “Energielevel”: Entspannt einsteigen, viel Platz (bei Auslastung 25%…), dösen, lesen, arbeiten, Landschaft gucken – kein Vergleich zu den Alternativen

Also alles zusammen subjektiv 1:0 für den Zug. Wie steht es nun mit dem Rückweg?

  • Ein CNL bringt natürlich weniger Menschen in einem Waggon unter als ein normal bestuhlter ICE: Maximal 36 Schlafplätze statt 74 Sitzplätze. Und da ich ja hier mit einem von nur einer Person besetzten Auto vergleiche muß ich sogar 18 Einzelkabinengäste mit 74 Sitzplatzfahren vergleichen. Eine Auslastung 25% wäre damit auch für die Rückfahrt realistisch.
  • Dafür fährt der CNL sehr viel langsamer als der ICE, was den Energieverbrauch pro Personenkilometer deutlich reduziert.
  • Wieder kein deutlicher energetischer Vorteil. Eine sehr schöne und fundierte Diskussion zum Vergleich “Hochgeschwindigkeits-Nachtzüge versus Fliegen” hier im ICE-Treff Forum kommt – sowohl “bottom up” als auch “top-down” gerechnet – zu einem ähnlichen Ergebnis: Nur ein vollbesetzter Nachzug wäre energetisch im Vorteil. Ein 25% ausgelasteter Nachtzug im Vergleich zu einem 70% ausgelasteten Flieger macht keinen großen Unterschied.

Also bleibt wieder die subjektive Entscheidung, ob man nach Flug mit dem normalerweise immer verpäteten “Lumpensammler” und nochmal 45min aufs Gepäck warten um Mitternacht zu Hause sein will (der Satz war jetzt subjektiv gefärbt, zugegeben), oder am nächsten Morgen ausgeruht, frisch gewaschen und befrühstückt in den Hauptbahnhof einfährt.

Fazit: Ein bahnliebhabersubjektives 2:0 für die Bahn, aber wattrechnertechnisch ein Patt – 0:0

Was meint Ihr? Fahrt Ihr lieber Zug, Auto oder Bahn? Fließt die Energieeffizienz in Eure Entscheidungsfindung bei der Wahl des Verkehrsmittels ein? Ich freue mich über Kommentare!

 

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2 Responses to Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

  1. Wolfgang says:

    Watt ist das eine. CO2-Bilanz das andere. Ich bin zugegeben jetzt zu faul, nachzurechnen. Ganz abgesehen davon mag ich Zug, weil ich (a) gefahren werde und (b) eine Reise nicht so unterbrochen ist in kleine Häppchen wie fliegen (Checkin, Security, Boarding, Start, Landung, Gepäck). Ich setze mich in München in den Zug und kann dann in Ruhe etliche Stunden ohne Unterbrechung arbeiten, lesen, Musik oder Podcast hören, zum Fester raus meinen Gedanken nach hängen, schlafen…

    wolfgang

    • rolfk says:

      Hallo Wolfgang,
      danke für den Kommentar!
      Zur CO2-Bilanz: Die Bahn hat ja den Vorteil schon größtenteils elektrisch zu fahren. Das heißt jede Verbesserung beim Energiemix in Richtung Erneuerbare verbessert die CO2-Bilanz automatisch. Bei Autos und Flugzeugen haben wir diesen Schritt der Elektrifizierung noch vor uns. Aber abgesehen davon: Das mit den störenden Häppchen beim Fliegen kann ich voll unterschreiben. Nicht mal Podcast hören oder eBook lesen lassen Sie einen bei Start und Landung – da ist Zugfahren schon viel entspannter

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