Strom Sparen im Haushalt – Die Suche beginnt, Teil 1

Hier kommt der Strom

Hier soll so wenig Strom wie möglich gezapft werden

Vor zwei Wochen habe ich mich auf die Suche nach den größten Strom-verbrauchern in meinem Haushalt gemacht. Ich fand uns schon ganz gut optimiert bei den „Großverbrauchern“ (Waschen, Spülen, Kühlen…) und der Beleuchtung, mit allerdings noch großem (wenn auch schwierigen) Optimierungs-potential beim Stand-By Verbrauch unserer Unterhaltungselektronik.

Ingo Scheuermann von Grünspar.de hat diesen Artikel gelesen und sein professioneller Ehrgeiz war geweckt: Warum sollte man überhaupt zu Hause stromsparen? Und mit welchen Technologien kann ich (Rolf) zu Hause selbst noch weiter sparen? Sicherlich beim Standby-Verbrauch, aber nicht nur dort.

Ich möchte diese Diskussion gerne als mehrteiliges „Virtuelles Zwiegespräch“ zwischen Ingos Gastbeiträgen, mir und hoffentlich vielen Eurer Kommentare anlegen. Im ersten Teil geht es um die Motivation zum Stromsparen und die Beleuchtung. Weitere Teile zu Thermostop, Standby-Verbräuchen und Vorschaltgeräten für Wasch- und Spülmaschinen folgen.

Aber jetzt soll Ingo das Wort haben:

Strom sparen – Die Suche beginnt

Ich kann nur jedem empfehlen, genau wie Rolf eine Stromverbrauchsbilanz für den eigenen Haushalt zu machen: Schnappt euch ein Energiekostenmessgerät und geht auf die Suche! Es ist einfacher als gedacht und wird schnell zur echten Sucht.

Massenfähigkeit – Was ist abstrahierbar?

Aber wir wollen nicht vorweggreifen. Denn zu Anfang ist mir vor allem ein Punkt wichtig: Der Verlust der Primärenergie bei der Produktion einer kWh Strom und die damit zusammenhängenden Implikationen für den Einzelnen. Ein typisches Dilemma der Energieeffizienzpolitik in Deutschland ist das Identifikationsproblem. Was man nicht sieht, wird einem auch einfach nicht klar. Auch mehrfaches Erklären stößt da oft auf taube Ohren. Es ist die Massenfähigkeit von Argumenten, die dieses Dilemma beschreibt. Fähig für die Massen ist nur, was einfach verständlich, ohne Umschweife anwendbar und vor allem auf den ersten Blick als die einzig logische Alternative erscheint. Um das Energieeffizienzproblem in den Griff zu bekommen, können daher meiner Meinung nach nur Maßnahmen greifen, die auch massenfähig sind.

Das Problem an der Sache liegt eigentlich auf der Hand und ist vielfach übertragbar: Ich mache mir die Mühe und rechne mir aus, was mein Toaster bei jedem Toast verbraucht. Ich weiß also: Ich zahle einen bestimmten Betrag an Strom für das Toasten eines Toasts. Was von mir verlangt wird, ist allerdings viel komplizierter. Ich soll nicht nur bei jedem Toast wissen, was ich bezahle, ich muss mir im Klaren darüber sein, was die Umwelt bezahlt. Welchen ökologischen Fußabdruck ich hinterlasse ist für Forscher und für die Umwelt hoch interessant, für mich allerdings zu abstrakt. Und genau da liegt der sprichwörtliche Hund begraben. Es ist eine große Herausforderung für jeden, sich über seine eigenen Kosten bewusst zu sein. Diese Kosten dann zu abstrahieren ist eine Aufgabe, die man unmöglich von jedem Einzelnen verlangen kann.

Was können wir also noch tun?

Und damit zurück zum Kern des Problems: Wie kann ich meinen aktuellen, sehr realen, eigenen Energieverbrauch im Bereich Strom senken. Das Fallbeispiel des Artikels ist perfekt für eine kleine Analyse, um aufzuzeigen, wie viel Strom an welchen Stellen wirklich gespart werden kann, siehe Verbrauchs-Aufteilung im Artikel.

Vorab gesagt: 7kWh Tagesverbrauch in einem 4-Personen Haushalt ist eine extrem gute Bilanz und kann sich wirklich sehen lassen. Richtig verstanden wurde auch, dass diese Bilanz wahrscheinlich maßgeblich von vielen Energiesparmaßnahmen beeinflusst wurde (Energiesparlampen und Co.).

Als Energiesparexperte ist mir eins schnell klar geworden: It never stops. Egal wie gut und effizient der Haushalt schon ausgerichtet ist, es gibt immer die Möglichkeit, effizienter zu sein. Wo? Das möchte ich euch jetzt zeigen:

Die Beleuchtung

Dafür benötigt es eigentlich nur eines einzigen Wortes: LED. Energiesparlampen sind löblich und gut. LEDs sind einfach besser. Es gibt kein Wenn und Aber, LEDs sind die einzige wirkliche Alternative, wenn es um Energie sparende Beleuchtung geht. Um das kurz klar zu machen, stellen wir die beiden Leuchtmittel mal kurz einander gegenüber:

Energiesparlampe LED Lampe
Lebensdauer (in Stunden) 10.000 Stunden 35.000 Stunden
Lebensdauer in Jahren 10 Jahre 35 Jahre
Schaltfestigkeit Bis zu 600.000 Bis zu 800.000
Energieeffizienz A – B A – B
Ersatz für eine 60W Glühbirne 11W Ab 8W

Das zusätzliche Einsparpotential ist verschwindend gering. Auch wenn führende Leuchtmittelhersteller gerne mal die relative Ersparnis von fast „30% zusätzlich“ anführen, geht es absolut um Centbeträge. Anstatt 0,011 kWh verbraucht eine LED nur 0,008 kWh. Hochgerechnet auf das Jahr (1.000 Stunden Brenndauer), macht das 11 kWh im Vergleich zu 8 kWh pro Jahr, also eine zusätzliche Ersparnis in Höhe von 3kWh * 0,25€/kWh = 0,75€. Wohlgemerkt pro Lampe. Wenn ein Haushalt 20 Lampen besitzt, kommt da schon über die Jahre etwas zusammen, allerdings keine großen Beträge. Es ist noch anzumerken, dass die LED bei höheren Wattagen besser skaliert als die Energiesparlampe, die Differenz also geringfügig größer wird, je höher die zu ersetzenden Wattagen sind.

Die tatsächliche Ersparnis liegt woanders. Bei der Anschaffung. LED-Lampen halten länger und sind robuster gegen Kurzschlüsse und häufiges An- und Ausschalten. Auch der ständige Weg zum Fachmarkt muss dabei berücksichtigt werden.

Am Ende ist es eigentlich keine Frage des Geschmacks. LEDs halten länger, machen ein angenehmeres Licht, schalten schneller und sind geräuschlos. Außerdem sparen sie noch mehr als Energiesparlampen. Wer jetzt seine Glühbirnen austauscht, der ist gut beraten direkt auf LED umzusteigen.

Zum meinem Gastautor heute: Ingo Scheuermann, 28, Head of Online Marketing bei der Grünspar GmbH, Deutschlands führendem Onlineshop zum Thema Energie sparen – http://www.gruenspar.de

Zurück zum Haus des Wattrechners. Dort sind 14 E14 und 11 E27 Energiesparlampen mit 9-11 Watt im Einsatz, 17 Halogenlampen mit Stecksockel um die 20 Watt, und 3 LED Spots mit je 1 Watt. Wenn ich auf den Grünspar.de Shop schaue, finde ich bereits LED Lampen für E14 und E27 und die größeren der Stecksockel. In den ersten drei Jahren habe ich bestimmt schon fünf der E14+E27 Energiesparlampen ersetzen müssen, dazu noch einige der Halogenstrahler.

Ingo sagt, LED Lampen halten bis zu 4x so lange wie Energiesparlampen, und sind standfester Schaltvorgängen gegenüber. Dafür kosten sie auch 3x so viel. Trotzdem lohnen sie sich – die Entscheidung ist gefallen: Defekte E14/E27 Energiesparlampen werden in Zukunft durch LEDs ersetzt.

Nur habe ich den Verdacht, daß ein Großteil meines Beleuchtungs-Stromverbrauchs von den 20W-Stecksockel Lampen (Schreibtisch/Leselampen und Niedervoltbeleuchtung in den Kinderzimmern) verursacht wird – wollen wir hoffen, daß es da bald LED Alternativen am Markt gibt!

Was meint Ihr? Habt Ihr schon Erfahrungen mit LED? Halten die wirklich so lange wie versprochen? Sind sie angenehmer als klassische Energiesparlampen? Schreibt einen Kommentar und diskutiert mit!

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6 Responses to Strom Sparen im Haushalt – Die Suche beginnt, Teil 1

  1. Hallo Rolf,

    ich bin großer Fan von den Osram Dot-It Leuchten. Zwei davon sind unsere Nachttischlampen und kleben einfach an der Wand, meine große Tochter hat die Bonus-Leuchte aus einer Bestellung einfach als Taschenlampe annektiert :) .

    Sind Batteriebetrieben und die Akkus laden wir natürlich auf. Dadurch entfällt auch das Strippen-Ziehen.

    http://www.osram.de/osram_de/produkte/leuchten/innenraum-leuchten/mobile-helfer/dot-it/index.jsp

    Ciao,
    Constantin

  2. Robert says:

    In dem ganzen Kontext ist das Problem mit der Schadstoffbelastung unbedingt noch zu erwähnen. Quecksilber und andere giftige Dämpfe treten bei Bruch bzw. Betrieb solcher Energiesparlampe aus. Besonders wer Kinder im Haus hat, weiß das Dinge hier öfter mal kaputt gehen und da sind Energiesparlampe absolut keine Alternative! Wenn es dann immer noch billig sein soll, lieber auf Halogen(-30%) zurück gehen, obwohl diese Leuchtmittel auch recht oft nur sehr kurz Lebenszeiten haben.
    Als einzige nachhaltige und quecksilberfreie Alternative ist im Moment nur(!) die LED-Beleuchtung. Leider fehlt es im Bereich E14 noch an hellen Alternative, aber da wird bestimmt noch was kommen. In Zukunft könnten sich OLEDs zusammen mit neuen Beleuchtungskonzepten als wahre Alternative entpuppen, jedoch ist hier die serienreife noch nicht da.

  3. Chaosblog says:

    Was mit persönlich noch fehlt sind LED-Leuchtmittel für Deckenfluter. Ich habe bisher keine alternatives R7s-Leuchtmittel gefunden. Ein paar Hersteller montieren eine Armada kleiner SMD-LEDs, allerdings bekomme ich diese Lampen Aufgrund ihres Formfaktors nicht in meinen Fluter.

    In der Küche nutze ich schon seit Jahren lieber eine Leuchtstoffröhre als die normale Beleuchtung.

  4. Hi,

    wir haben kürzlich im Wohnzimmer die Deckleuchte erneuert. Lampe vom Ikea enthält eigentlich 5 Halogenspots. Wären also wohl 100 Watt. Stattdessen haben wir uns gleich passende LED Spots mitgenommen 5*3,4 = 17 Watt! Das ist doch ein Wort :)

    Und hell genug sind die auf alle Fälle :)

    Problem mit manchen LED Lampen ist allerdings, dass dort das Leuchtmittel fest verbaut ist. Das heißt, gibt da die LED mal den Geist auf, muss gleich die ganze Lampe entsorgt werden, was natürlich weniger schön ist. :(

    Achja, und in der Küche haben wir als Unterbaulampen jetzt auch welche mit LED (ebenfalls vom IKEA).

    Grüße
    Markus

  5. rolfk says:

    Danke für Euer Feedback und die guten Tipps!

    @Constantin: bei uns werden drei als Spot in der abgehängten Decke eingebaute 1-Watt-LEDs im Flur vor den Kinderzimmern faktisch als Nachtlicht verwendet. Was leider häufig dazu führt, daß sie den Tag über dann gar nicht ausgeschaltet werden…

    @Robert+Markus: Genau – die in Kinderreichweite befindlichen Lampen haben derzeit alle Halogenspots. Gibt es denn inzwischen Niedervolt-LED Spots oder wären das größere Umbauarbeiten?

    @Chaosblog: Der Monster-Deckenfluter ist nur noch Staubfänger bzw. Rahmenhalter für den “Leselichtarm” mit Halogenspot :-)

    Ich hoffe auf viele gute Tipps von Euch zum Thema Standby nächste Woche – Da wird’s nämlich nicht nur um eine “Ersatzfrage” (zB Halogen mit LED) gehen, sondern um die Frage “Wie Energiesparen mit möglichst wenig Komforteinbußen”…

    Viele Grüße
    Rolf

  6. Hi Rolf,

    es war überhaupt kein Umbau nötig, ich musste lediglich die Leuchtmittel tauschen.
    Habe ich vom Ikea damals gleich mitgenommen, sind vom Sockel in meinem Fall wie die hier -> http://www.pearl.de/a-NC6388-5606.shtml

    Ich hatte übrigens nochmal nachgeschaut, die ersetzten Halogenspots hätten jeweils 35Watt gehabt und somit das 10-fache verbraucht!

    Auf den nächsten Beitrag freue ich mich dann jetzt schon, denn was Standby angeht, habe ich sicher Verbesserungspotential, denn in die Richtung habe ich noch gar nichts gemacht …

    Markus

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